LYNX Steuererklärung: Anlage KAP aus dem LYNX-Kontoauszug
LYNX stellt dir keine deutsche Steuerbescheinigung aus und behält keine Abgeltungsteuer ein. Du erklärst deine Erträge deshalb selbst in der Anlage KAP (Fonds in der Anlage KAP-INV). Die Zahlen dafür holst du dir aus dem Jahreskontoauszug, den du im LYNX-Portal als CSV exportierst und in capi.tax unter Interactive Brokers hochlädst.
Warum LYNX-Kunden „Interactive Brokers" wählen
LYNX ist ein sogenannter Introducing Broker: LYNX betreut dich, bietet eigene Oberflächen, Service und Schulungen an – dein Depot selbst wird aber bei Interactive Brokers geführt. Für Kunden mit Wohnsitz in der EU ist das laut LYNX seit 2021 Interactive Brokers Ireland; ältere Konten lagen bis dahin bei Interactive Brokers in Großbritannien.
Für deine Steuer heißt das: Dein Kontoauszug kommt aus dem IBKR-System und hat dessen Format. capi.tax liest das Activity Statement in deutscher wie in englischer Sprache und alternativ eine Flex Query als XML. Einen eigenen „LYNX"-Eintrag brauchst du deshalb nicht – du wählst beim Hochladen Interactive Brokers.
Den Kontoauszug bei LYNX exportieren
Das Kundenportal von LYNX ist das Client Portal von Interactive Brokers im LYNX-Design. Die Menüs folgen deshalb dem IBKR-Portal; einzelne Beschriftungen können je nach Sprache und Version leicht abweichen.
- Melde dich im LYNX Client Portal an.
- Öffne
Performance & Berichteund dort die Kontoauszüge (englischStatements). - Wähle das Standard-Statement Activity – LYNX nennt es auch Jahresdepotauszug. Es enthält Trades, Dividenden, Quellensteuer, Zinsen und Gebühren.
- Stelle als Zeitraum Jährlich (
Annual) und das Steuerjahr ein. - Wähle als Format
CSV– nicht PDF und nicht Excel. - Erzeuge den Auszug und speichere die Datei.
Hast du schon eine Flex Query eingerichtet, kannst du stattdessen deren XML-Datei nutzen. Wie du eine anlegst und welche Abschnitte sie braucht, steht in der Anleitung zu Interactive Brokers.
Konto vor 2021 eröffnet?
Bei der Umstellung auf Interactive Brokers Ireland haben viele LYNX-Kunden eine neue Kontonummer bekommen. Auszüge für die Zeit davor erzeugst du über die alte Kontonummer, die du im Statement-Dialog zusätzlich auswählst. Das ist wichtig, wenn du heute Aktien verkaufst, die du damals gekauft hast – dazu gleich mehr.
Der „informative Steuerbericht" von LYNX
Im Portal kannst du unter Performance & Berichte → Steuerdokumente einen informativen Steuerbericht für in Deutschland Steuerpflichtige anfordern. Er wird von einem externen Dienstleister erstellt und listet realisierte Gewinne, Verluste und Dividenden auf.
LYNX sagt selbst, dass dieser Bericht kein offizielles Steuerdokument ist und du die Werte prüfen musst. Er ist eine gute Gegenprobe. Weichen seine Summen von deinem Ergebnis ab, liegt es oft an Positionen aus Vorjahren, an Stillhaltergeschäften, die über den Jahreswechsel laufen, oder an Kapitalmaßnahmen.
In capi.tax hochladen
- Öffne capi.tax, wähle Interactive Brokers und dein Steuerjahr.
- Lade die
CSV- oderXML-Datei hoch. Sie wird nur in deinem Browser verarbeitet. - Lies die Hinweise über den Ergebnissen – etwa zu übersprungenen Devisenzeilen oder Fonds ohne Fondsart.
- Übertrage die Werte aus dem Tab
Anlage KAPin deine Steuererklärung.
Die Steuer: genau wie bei Interactive Brokers
Steuerlich ist ein LYNX-Depot ein Depot bei Interactive Brokers. Weil kein deutscher Steuerabzug stattgefunden hat, musst du die Erträge selbst erklären (§ 32d Abs. 3 EStG). Kurz zusammengefasst:
- Aktien: Gewinne und Verluste nach FIFO, umgerechnet zum Bundesbank-Kurs. Aktienverluste sind nur mit Aktiengewinnen verrechenbar (§ 20 Abs. 6 S. 4 EStG); ob das verfassungsgemäß ist, prüft das Bundesverfassungsgericht (2 BvL 3/21).
- Optionen: Stillhalterprämien (§ 20 Abs. 1 Nr. 11 EStG) und Termingeschäfte (§ 20 Abs. 2 S. 1 Nr. 3 EStG) – siehe Optionen & Stillhaltergeschäfte.
- Dividenden und Zinsen: brutto in die Anlage KAP, anrechenbare ausländische Quellensteuer gesondert.
- ETFs und Fonds: brutto in die Anlage KAP-INV, nach Fondsart getrennt.
Welche Zahl in welche Zeile gehört, mit einem durchgerechneten Beispiel, steht in der Interactive-Brokers-Anleitung.
Beispiel: Aktien von 2019, verkauft 2025
Du hast 2019 bei LYNX 40 Aktien gekauft und verkaufst sie 2025. Lädst du nur den Auszug für 2025 hoch, sieht capi.tax den Verkauf, aber keinen Kauf. FIFO kann keine Anschaffungskosten zuordnen, und der Verkauf bleibt im Prüfpfad als nicht zugeordnet stehen – er fließt nicht in die Summen ein, statt mit erfundenen Kosten gerechnet zu werden.
So löst du das:
- Erzeuge über die alte Kontonummer einen Auszug für 2019 und suche den Kauf heraus: Datum, Stückzahl und Betrag.
- Trage den Kauf in capi.tax unter
Anpassungenals Eröffnungsposition nach.
Beispielwerte: Kauf am 12.03.2019 für 4.000,00 USD bei einem Bundesbank-Kurs von 1,1300 USD/EUR = 3.539,82 €; Verkauf 2025 für 6.510,00 USD bei 1,0850 USD/EUR = 6.000,00 €. Steuerlicher Gewinn: 6.000,00 − 3.539,82 = 2.460,18 € (Gebühren hier vernachlässigt). Mehr dazu unter Deine Angaben.
Was capi.tax bei LYNX-Konten nicht abdeckt
- Kapitalmaßnahmen wie Splits oder Spin-offs werden gemeldet, aber nicht angewendet – siehe Kapitalmaßnahmen.
- Währungsgewinne auf Fremdwährungsguthaben rechnet capi.tax nicht – je nachdem, ob das Guthaben verzinst wird, gehören sie in die Anlage SO oder (nach umstrittener Verwaltungsauffassung) in die Anlage KAP. Siehe Währungsgewinne.
- Mehrere Konten oder Jahre in einer Berechnung: Pro Lauf eine Datei. Hast du neben dem LYNX-Konto ein weiteres IBKR-Konto, rechnest du beide getrennt und addierst die Zeilen.
Häufige Fragen
Bekomme ich von LYNX eine Steuerbescheinigung?
Nein. Weil das Depot bei Interactive Brokers im Ausland geführt wird, stellt LYNX keine Steuerbescheinigung nach deutschem Recht aus. Dein Jahreskontoauszug und deine eigene Aufstellung sind dein Nachweis.
Behält LYNX Abgeltungsteuer ein?
Nein. Auf Kursgewinne, Optionsprämien und Zinsen wird nichts abgezogen; auch einen Freistellungsauftrag kann LYNX nicht umsetzen. Den Sparer-Pauschbetrag bekommst du über die Steuererklärung.
Gibt es bei LYNX eine Verlustbescheinigung?
Nein, und du brauchst keine. Verlustbescheinigungen braucht man, um Verluste aus einem deutschen Depot in die Steuererklärung zu holen. Bei LYNX erklärst du Gewinne und Verluste ohnehin selbst, und das Finanzamt verrechnet sie.
Welche Quellensteuer wird bei LYNX abgezogen?
Ausländische Staaten behalten auf Dividenden Quellensteuer ein. Für US-Aktien sind das mit gültigem W-8BEN 15 %, ohne 30 %. Das W-8BEN füllst du bei der Kontoeröffnung aus; es muss regelmäßig bestätigt werden. Anrechenbar sind höchstens 15 % – siehe Quellensteuer.
Und bei deutschen Aktien im LYNX-Depot?
Auf Dividenden deutscher Aktien wird laut LYNX bereits deutsche Kapitalertragsteuer von 26,375 % (inklusive Solidaritätszuschlag) einbehalten – über die Wertpapiersammelbank Clearstream (§ 44 Abs. 1 S. 4 Nr. 3 EStG). Damit ist die Steuer grundsätzlich abgegolten (§ 43 Abs. 5 S. 1 EStG): Diese Dividenden gehören weder in Zeile 19 noch ist die Steuer ausländische Quellensteuer für Zeile 41. Bist du kirchensteuerpflichtig, musst du sie für die Kirchensteuer trotzdem erklären (§ 51a Abs. 2d EStG). Willst du die einbehaltene Steuer anrechnen lassen – etwa für den Sparer-Pauschbetrag oder die Verlustverrechnung (§ 32d Abs. 4 EStG) –, verlangt das Finanzamt normalerweise eine Steuerbescheinigung nach § 45a Abs. 2 EStG, die IBKR nicht ausstellen kann. Wie das in diesem Fall gehandhabt wird, ist nicht abschließend geklärt; kläre deinen Einzelfall mit einer Steuerberaterin oder einem Steuerberater. ⚠️ capi.tax bildet den Fall nicht gesondert ab und kann solche Dividenden derzeit in Zeile 19 und die Steuer in Zeile 41 buchen – prüfe deshalb Dividenden und Quellensteuer nach Ländern in der Übersicht.
Bereit? Lade deinen LYNX-Kontoauszug hoch und wähle Interactive Brokers.
capi.tax bereitet deine Daten auf und ist keine Steuerberatung. Bitte prüfe die Zahlen und wende dich für deinen persönlichen Fall an eine Steuerberaterin oder einen Steuerberater.