Abgeltungsteuer & Freibetrag

Kapitalerträge werden in Deutschland nicht zu deinem übrigen Einkommen addiert, sondern mit einem festen Satz besteuert: der Abgeltungsteuer von 25 % (§ 32d Abs. 1 EStG), plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Bei einem ausländischen Broker wie Interactive Brokers, Tastytrade oder DEGIRO behält niemand diese Steuer ein – du erklärst deine Erträge selbst, und das Finanzamt setzt die Steuer fest. capi.tax liefert dir dafür die Bemessungsgrundlage und die Werte für die Anlage KAP.

Wie hoch ist die Abgeltungsteuer?

Der Grundsatz ist einfach: 25 % auf deine Kapitalerträge, nach Verlustverrechnung und Sparer-Pauschbetrag. Darauf kommen:

  • der Solidaritätszuschlag von 5,5 % der Abgeltungsteuer (§ 4 SolZG),
  • die Kirchensteuer von 8 % (Bayern, Baden-Württemberg) oder 9 % (übrige Länder) der Abgeltungsteuer, falls du Mitglied einer steuererhebenden Religionsgemeinschaft bist.

Unterm Strich ergibt das:

Situation Effektive Belastung
ohne Kirchensteuer 26,375 %
mit 8 % Kirchensteuer rund 27,82 %
mit 9 % Kirchensteuer rund 28,00 %

Dass die Belastung mit Kirchensteuer nicht einfach 25 % + 9 % von 25 % beträgt, liegt an einer Besonderheit: Die Kirchensteuer ist als Sonderausgabe abziehbar, und das Gesetz rechnet diesen Abzug direkt in die Formel ein. Die Abgeltungsteuer beträgt dann (e − 4q) / (4 + k), wobei e die Kapitalerträge, q die anrechenbare ausländische Steuer und k der Kirchensteuersatz ist (§ 32d Abs. 1 S. 3–5 EStG).

Die Soli-Freigrenze, durch die seit 2021 die meisten Lohn- und Einkommensteuerzahler keinen Solidaritätszuschlag mehr zahlen, gilt für die Abgeltungsteuer nicht (§ 3 Abs. 3 SolZG). Auf Kapitalerträge fallen die vollen 5,5 % an. Beantragst du die Günstigerprüfung (siehe unten) und ist der normale Tarif für dich tatsächlich günstiger (§ 32d Abs. 6 S. 1 EStG), werden die Kapitalerträge nach dem Tarif besteuert – dann kann auch die Freigrenze wieder greifen.

Warum musst du bei IBKR, Tastytrade und DEGIRO alles selbst erklären?

Ein deutscher Broker ist eine inländische auszahlende Stelle. Er behält die Kapitalertragsteuer direkt ein, führt Verlustverrechnungstöpfe und berücksichtigt deinen Freistellungsauftrag. Damit ist die Steuer in der Regel abgegolten.

Interactive Brokers, Tastytrade und DEGIRO sind das nicht. Sie führen keine deutsche Steuer ab und stellen keine deutsche Steuerbescheinigung aus. Für diesen Fall bestimmt § 32d Abs. 3 EStG: Kapitalerträge, die keinem Kapitalertragsteuerabzug unterlegen haben, musst du in deiner Einkommensteuererklärung angeben. Das Finanzamt erhebt die Abgeltungsteuer dann im Veranlagungsverfahren – mit demselben Satz von 25 %.

Das betrifft alles, was dein Depot im Jahr abwirft: Gewinne und Verluste aus Aktien, Optionen und Futures, Stillhalterprämien, Dividenden, Zinsen auf dein Cash-Guthaben und Fondserträge. Auch Kirchensteuer wird dann im Rahmen der Veranlagung erhoben, weil kein Abzug an der Quelle stattfand (§ 51a Abs. 2d EStG). Ausgenommen sind Dividenden deutscher Aktien, auf die bereits deutsche Kapitalertragsteuer einbehalten wurde – siehe Dividenden deutscher Aktien. Ebenfalls nicht dazu gehören private Veräußerungsgeschäfte (§ 23 EStG): Währungsgewinne aus unverzinstem Guthaben und Gold-Wertpapiere mit Lieferanspruch wie Xetra-Gold. Verkaufst du sie innerhalb eines Jahres nach dem Kauf, gehören sie in die Anlage SO und werden mit deinem persönlichen Steuersatz besteuert; danach sind sie nicht steuerbar – siehe Xetra-Gold & Gold-ETCs.

Der Sparer-Pauschbetrag

Seit 2023 bleiben die ersten 1.000 € deiner Kapitalerträge steuerfrei, bei Zusammenveranlagung 2.000 € (§ 20 Abs. 9 EStG; bis 2022 waren es 801 € bzw. 1.602 €). Drei Punkte sind wichtig:

  • Einmal für alle Konten. Der Pauschbetrag gilt pro Person und Jahr, nicht pro Broker. Hast du ein deutsches Tagesgeldkonto mit Freistellungsauftrag und ein IBKR-Depot, teilen sich beide denselben Betrag.
  • Keine tatsächlichen Kosten. Depotgebühren, Datenabos, Zinsen für Wertpapierkredite oder Fachliteratur kannst du nicht zusätzlich abziehen – sie sind mit dem Pauschbetrag abgegolten. Anders sind Transaktionskosten: Ordergebühren für Kauf und Verkauf mindern deinen Veräußerungsgewinn direkt (§ 20 Abs. 4 EStG), und capi.tax rechnet sie entsprechend ein.
  • Kein Freistellungsauftrag beim Auslandsbroker. Einen Freistellungsauftrag kann nur eine inländische Stelle umsetzen. Bei IBKR, Tastytrade und DEGIRO bekommst du den Pauschbetrag stattdessen über die Steuererklärung: Das Finanzamt zieht ihn bei der Veranlagung automatisch ab. In der Anlage KAP gibst du nur an, wie viel davon bereits über Freistellungsaufträge bei deutschen Banken verbraucht wurde.

capi.tax zieht den Sparer-Pauschbetrag nicht ab. Das Tool sieht nur eine Datei mit einem Depot; ob du den Freibetrag schon bei einer deutschen Bank genutzt hast oder zusammen veranlagt wirst, weiß es nicht. Die angezeigten Werte sind deshalb die Bruttowerte, die du in die Anlage KAP einträgst.

Rechenbeispiel: So rechnet das Finanzamt

Alle Zahlen sind Beispielwerte, bereits in Euro umgerechnet. Eine ledige Anlegerin ohne Kirchensteuer hat 2025 bei Interactive Brokers:

Posten Betrag
Gewinne aus Aktienverkäufen 4.000,00 €
Verluste aus Aktienverkäufen −1.000,00 €
Dividenden (brutto) 800,00 €
Ergebnis aus Optionen (netto) 1.700,00 €
Zinsen auf Cash-Guthaben 300,00 €
Summe Kapitalerträge 5.800,00 €

Auf die Dividenden wurden 120,00 € US-Quellensteuer einbehalten (15 %). Einen Freistellungsauftrag bei einer deutschen Bank hat sie nicht genutzt.

  1. Kapitalerträge: 5.800,00 €
  2. abzüglich Sparer-Pauschbetrag: 5.800,00 € − 1.000,00 € = 4.800,00 €
  3. Abgeltungsteuer 25 %: 1.200,00 €
  4. abzüglich anrechenbare Quellensteuer: 1.200,00 € − 120,00 € = 1.080,00 €
  5. Solidaritätszuschlag 5,5 % von 1.080,00 €: 59,40 €
  6. Steuer insgesamt: 1.139,40 €

Mit 9 % Kirchensteuer sähe es so aus: (4.800,00 € − 4 × 120,00 €) / (4 + 0,09) = 4.320,00 € / 4,09 = 1.056,23 € Abgeltungsteuer. Dazu kommen 95,06 € Kirchensteuer (9 %) und 58,09 € Soli (5,5 %), zusammen 1.209,38 €.

Wie die Quellensteuer angerechnet wird und wo die Grenzen liegen, steht unter Ausländische Quellensteuer. Warum die Aktienverluste hier mit den Aktiengewinnen verrechnet werden durften, erklärt Verlustverrechnung.

Was zeigt capi.tax als Steuer an?

In den Ergebnissen siehst du eine Referenzsteuer: 25 % Abgeltungsteuer plus 5,5 % Soli auf die steuerpflichtige Summe nach Verlustverrechnung und Teilfreistellung. Hast du ausländische Quellensteuer gezahlt, zeigt capi.tax zusätzlich, wie viel deutsche Steuer nach deren Anrechnung übrig bleibt. Beides dient als Orientierung, nicht als Steuerbescheid. Nicht enthalten sind:

  • der Sparer-Pauschbetrag,
  • die Kirchensteuer,
  • ein Verlustvortrag aus dem Vorjahr,
  • die Günstigerprüfung,
  • Erträge aus anderen Depots oder Konten,
  • private Veräußerungsgeschäfte (§ 23 EStG, Anlage SO) – sie werden mit deinem persönlichen Steuersatz besteuert, capi.tax rechnet dafür keine Steuer aus.

Verbindlich ist, was das Finanzamt aus deiner gesamten Erklärung festsetzt.

Günstigerprüfung: Wenn dein persönlicher Steuersatz niedriger ist

Liegt deine persönliche Steuerbelastung unter 25 % – grob: dein Grenzsteuersatz –, kannst du die Günstigerprüfung beantragen (§ 32d Abs. 6 EStG). Das Finanzamt rechnet dann einmal mit Abgeltungsteuer und einmal mit deinem normalen Tarif, bei dem die Kapitalerträge zu deinen übrigen Einkünften addiert werden – und nimmt das günstigere Ergebnis. Ein Nachteil entsteht durch den Antrag nicht.

Interessant ist das vor allem für Studierende, Rentnerinnen und Rentner, Menschen in Elternzeit oder Teilzeit – kurz: bei niedrigem Gesamteinkommen. Liegt dein zu versteuerndes Einkommen einschließlich der Kapitalerträge unter dem Grundfreibetrag, kann die Steuer auf die Kapitalerträge sogar ganz entfallen.

Zwei Regeln gelten auch hier: Der Antrag umfasst immer alle deine Kapitalerträge des Jahres, nicht nur einzelne. Und auch im Normaltarif bleibt es beim Sparer-Pauschbetrag – tatsächliche Werbungskosten kannst du weiterhin nicht abziehen. Den Antrag stellst du mit einem Kreuz in der Anlage KAP.

Wo trage ich die Werte ein?

Deine Erträge vom ausländischen Broker gehören in der Anlage KAP in den Block für Kapitalerträge, die nicht dem inländischen Steuerabzug unterlegen haben. capi.tax gibt die Zeilen für dein Steuerjahr aus, für die Veranlagung 2025 sind das:

  • Zeile 19: ausländische Kapitalerträge insgesamt (Zinsen, Dividenden, Ergebnisse aus Aktien und Termingeschäften),
  • Zeile 20: darin enthaltene Gewinne aus Aktienveräußerungen,
  • Zeile 22: Verluste ohne Aktienverluste (bei Optionshändlern vor allem Verluste aus Termingeschäften),
  • Zeile 23: Verluste aus Aktienveräußerungen,
  • Zeile 41: anrechenbare ausländische Steuern.

Für 2021 bis 2024 gibt es zusätzlich eigene Zeilen für Termingeschäfte: Zeile 21 für Stillhalterprämien und Gewinne aus Termingeschäften, Zeile 24 für Verluste aus Termingeschäften. Diese Verluste stehen ausschließlich in Zeile 24 und sind in Zeile 19 nicht enthalten; capi.tax rechnet sie für diese Jahre entsprechend aus Zeile 19 heraus. Fondserträge stehen nicht in der Anlage KAP, sondern in der Anlage KAP-INV. Die Details je Jahr stehen unter Anlage KAP, KAP-INV & SO.

Weiterführende Fragen

Keine Steuerberatung - nur Datenaufbereitung — Dieses Tool bereitet deine Transaktionsdaten auf und stellt keine Steuerberatung dar. Die Berechnungen laufen automatisiert auf Basis deiner Broker-Exporte. Die Verantwortung für deine Steuererklärung bleibt bei dir; bei Fragen zu deinem Fall hilft dir ein Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein. Zur Haftung siehe § 6 der AGB.

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