Kapitalmaßnahmen
Splits, Abspaltungen, Fusionen, Bonusaktien: Bei solchen Kapitalmaßnahmen ändert sich dein Bestand, ohne dass du selbst gekauft oder verkauft hast. Deutschland behandelt viele davon steuerneutral und schreibt die Anschaffungskosten fort (§ 20 Abs. 4a EStG). Wie capi.tax damit heute umgeht, steht weiter unten.
Warum das bei US-Brokern heikel ist
Ein deutscher Broker wendet § 20 Abs. 4a EStG automatisch an. Interactive Brokers und Tastytrade tun das nicht – sie verbuchen die Maßnahme als reine Stück- und Kostenänderung nach US-Logik. Der von ihnen ausgewiesene Einstandswert ist für deutsche Zwecke oft falsch. Entscheidend ist, das ursprüngliche Anschaffungsdatum zu erhalten: Es steuert die FIFO-Reihenfolge und den Bestandsschutz für Altbestände vor 2009.
Split und Reverse Split
Steuerneutral. Die Gesamtanschaffungskosten bleiben gleich, nur der Preis je Stück wird umgerechnet, und das Anschaffungsdatum bleibt bestehen. Wird bei einem Reverse Split ein Bruchteil bar ausgezahlt, ist genau dieser kleine Teil ein Verkauf.
Abspaltung (Spin-off)
Erhältst du Anteile aus einer Abspaltung, ist das in der Regel steuerneutral: Die ursprünglichen Anschaffungskosten werden zwischen alter und neuer Gesellschaft aufgeteilt, das Anschaffungsdatum überträgt sich (§ 20 Abs. 4a S. 7 EStG). Der Bundesfinanzhof hat das auch für US-Spin-offs bestätigt. Knifflig ist der Aufteilungsschlüssel – meist nach den ersten Börsenkursen nach der Abspaltung.
Fusion und Bonusaktien
Bei einer Fusion (Tausch alter gegen neue Anteile) laufen Anschaffungskosten und -datum weiter; eine Barkomponente ist dagegen steuerpflichtig. Bonusaktien ohne Zuzahlung werden häufig mit 0 € angesetzt – versteuert wird dann erst beim späteren Verkauf. Anders bei einer Wahldividende, bei der du zwischen Bargeld und Aktien wählen konntest: Sie ist als Dividende steuerpflichtig.
Kapitalrückzahlung: bitte aufpassen
Eine „Return of Capital"-Zahlung einer US-Gesellschaft ist steuerlich nicht automatisch dasselbe wie eine deutsche Einlagenrückgewähr. Das Feststellungsverfahren beim Bundeszentralamt für Steuern (§ 27 Abs. 8 KStG) gibt es nur für Gesellschaften aus der EU und dem EWR, und es beantragt die Gesellschaft. Bei einer US-Gesellschaft musst du die Einlagenrückgewähr selbst nachweisen. Das kann capi.tax nicht für dich entscheiden – hier ist steuerlicher Rat sinnvoll.
Was capi.tax hier tut – und was nicht
capi.tax schreibt Aktiensplits fort (bei Tastytrade nur Splits mit ganzzahligem Verhältnis, siehe unten). Abspaltungen und Umtausch/Fusionen kannst du selbst erfassen (Reiter Anpassungen, „Kapitalmaßnahme erfassen“, siehe unten). Aus den Zeilen deines Brokers erkennt capi.tax sie nicht selbst; Bonusaktien und Kapitalrückzahlungen werden gar nicht abgebildet – diese Zeilen werden übersprungen und gemeldet. Bei einem Split werden Stückzahl und Preis je Stück umgerechnet; Gesamtanschaffungskosten, Gebühren und Anschaffungsdatum bleiben, die FIFO-Reihenfolge ändert sich nicht. Das gilt für Long- und Short-Positionen.
- Tastytrade: Die beiden Buchungszeilen eines Splits (alte Stücke aus, neue Stücke ein) werden zu einem Verhältnis zusammengefasst und auf deine offenen Posten angewendet. Der Export nennt kein Verhältnis, nur die beiden Stückzahlen; capi.tax wendet deshalb nur Forward Splits mit ganzzahligem Verhältnis an (z. B. 2:1, 4:1, 10:1) und nur, wenn am Split-Tag keine weitere Order oder Ein-/Ausbuchung (z. B. ein Kauf oder Verkauf) desselben Wertpapiers vorliegt. Reverse Splits (z. B. 1:10) werden bei Tastytrade nie angewendet, weil sich ein bar ausgezahlter Bruchteil aus den Zeilen nicht erkennen lässt und das Verhältnis dann falsch wäre. Dasselbe gilt für ein Verhältnis wie 3:2 und für den Fall, dass eine der beiden Zeilen fehlt; dann werden die Zeilen übersprungen und du bekommst einen Hinweis zur Verarbeitung. Dann rechnest du die späteren Verkäufe dieses Wertpapiers selbst nach.
- Interactive Brokers: Beim Flex-XML-Export werden Aktiensplits angewendet, bei Aktien, wenn die Beschreibung das Verhältnis nennt („SPLIT 4 FOR 1“); auch nicht ganzzahlige Verhältnisse („SPLIT 3 FOR 2“) werden exakt übernommen. Ein Barausgleich für einen Bruchteil, den der Broker als normalen Verkauf bucht, wird als Verkauf aus dem ältesten Posten gerechnet. Andere Kapitalmaßnahmen werden nicht angewendet; dafür bekommst du einen Hinweis zur Verarbeitung. Beim CSV-Export wird auch ein Split nicht angewendet, und es gibt keinen Hinweis. Ausnahme sind Anleihen: Die Rückzahlung bei Fälligkeit rechnet capi.tax als Verkauf, und eine nicht zuordenbare Kapitalmaßnahme bei einer Anleihe meldet es auch im CSV – siehe Anleihen und Stückzinsen.
Abspaltung oder Umtausch selbst erfassen
Im Reiter Anpassungen erfasst du unter „Kapitalmaßnahme erfassen“ zwei Fälle, bei jedem Broker:
- Abspaltung (Spin-off): Du gibst das bisherige Wertpapier, das neue Symbol, das Datum der Gutschrift und das Verhältnis (neue Anteile je gehaltenem Anteil) an. Dazu wählst du die Behandlung. Steuerneutral: Du nennst den Anteil der Anschaffungskosten in Prozent, der auf die neuen Anteile entfällt; capi.tax teilt die Anschaffungskosten jedes offenen Postens entsprechend auf, die neuen Anteile behalten das ursprüngliche Anschaffungsdatum. Steuerpflichtige Sachausschüttung: Du gibst den Wert je neuem Anteil in Euro an; er wird als Kapitalertrag erfasst und ist der Einstandswert der neuen Anteile.
- Umtausch / Fusion: Alte Anteile werden gegen neue getauscht. Anschaffungskosten und -datum laufen auf die neuen Anteile über. Eine Barzahlung je altem Anteil kannst du zusätzlich angeben; sie wird als Kapitalertrag im Jahr der Zahlung erfasst.
Den Aufteilungsschlüssel nennt in der Regel die Corporate-Action-Mitteilung deines Brokers oder das Steuerschreiben der Gesellschaft; liegt er nicht vor, richtet er sich nach den Börsenkursen am ersten Handelstag. Die Zahl musst du selbst eintragen – capi.tax schlägt sie nicht vor. Die alten Anteile müssen am Tag der Maßnahme als offene Position vorliegen: Lade die Datei des Vorjahres mit hoch oder trage die Position als Eröffnungsposition ein. Nicht abgebildet sind Bruchteile, die bar abgegolten wurden (Spitzenausgleich), und Teilbestände: Die Maßnahme gilt für alle offenen Posten des Wertpapiers. Passen Datum, Symbol oder Zahlen nicht zusammen, wird die Maßnahme nicht angewendet und du bekommst einen Hinweis zur Verarbeitung.
Bonusaktien und Kapitalrückzahlungen kannst du nicht erfassen. Hattest du eine, rechne die betroffenen Verkäufe selbst nach oder lass sie von einer Steuerberaterin oder einem Steuerberater prüfen.
Siehe auch: Was capi.tax insgesamt (nicht) rechnet: Methodik & Quellen.