Verlustverrechnung
Verluste aus Kapitalanlagen mindern deine Steuer, aber nicht beliebig: Das Gesetz sortiert sie in getrennte Verlustverrechnungstöpfe (§ 20 Abs. 6 EStG). Verluste aus Aktienverkäufen darfst du nur mit Aktiengewinnen verrechnen, alle anderen Verluste – auch aus Optionen und Futures – mit allen Kapitalerträgen. Was übrig bleibt, wird ins nächste Jahr vorgetragen. capi.tax führt die Töpfe für dich getrennt und zeigt, was am Jahresende übrig bleibt.
Welche Verlustverrechnungstöpfe gibt es?
Für Privatanleger gibt es heute zwei Töpfe:
Der Aktienverlusttopf (§ 20 Abs. 6 S. 4 EStG). Verluste aus der Veräußerung von Aktien dürfen nur mit Gewinnen aus der Veräußerung von Aktien verrechnet werden. Dividenden, Zinsen oder Optionsgewinne mindern sie nicht. Nach dem BMF-Schreiben vom 14.05.2025 gehören auch Verluste aus der wertlosen Ausbuchung von Aktien in diesen Topf (ab 2025 zusätzlich in Zeile 23, nicht in Zeile 22). capi.tax erkennt wertlose Ausbuchungen von Aktien nicht automatisch; du trägst sie selbst in Zeile 19 und Zeile 23 ein.
Der allgemeine Topf (§ 20 Abs. 6 S. 1–3 EStG). Hier landet alles andere: Zinsen, Dividenden, Fondserträge (nach Teilfreistellung), Gewinne und Verluste aus Anleihen, Optionen und Futures, aus ETCs und ETNs (sonstige Kapitalforderungen), Währungsergebnisse aus verzinstem Guthaben (§ 20 EStG), Stillhalterprämien und Verluste aus geschriebenen Optionen. Diese Ergebnisse verrechnen sich untereinander frei.
Die Regel ist einseitig: Nur die Aktienverluste sind eingesperrt. Aktiengewinne, die nach Abzug der Aktienverluste übrig bleiben, fließen in den allgemeinen Topf und dürfen dort von anderen Verlusten gemindert werden – etwa von Verlusten aus Optionen.
Eine Grenze gilt für beide Töpfe: Verluste aus Kapitalvermögen dürfen nicht mit anderen Einkunftsarten wie deinem Gehalt verrechnet werden (§ 20 Abs. 6 S. 1 EStG).
Getrennt von beiden Töpfen: Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften (§ 23 EStG) – Währung aus unverzinstem Guthaben und Gold-Wertpapiere wie Xetra-Gold – verrechnen sich nur mit Gewinnen aus solchen Geschäften (§ 23 Abs. 3 S. 7–8 EStG). capi.tax zeigt sie im Abschnitt Anlage SO, nicht in den Verlusttöpfen; Vor- und Rücktrag nimmt das Finanzamt vor. Mehr dazu unter Xetra-Gold & Gold-ETCs.
Beispiele: So werden die Töpfe verrechnet
Alle Beträge sind Beispielwerte in Euro.
1. Aktienverlust trifft Aktiengewinn. Aktiengewinne 3.000,00 €, Aktienverluste 2.000,00 €. Der Aktientopf ergibt +1.000,00 €, steuerpflichtig sind 1.000,00 €.
2. Aktienverlust trifft Optionsgewinn. Optionsgewinne 3.000,00 €, Aktienverluste 2.000,00 €. Die Aktienverluste dürfen den Optionsgewinn nicht mindern. Steuerpflichtig sind 3.000,00 €, und 2.000,00 € werden im Aktientopf ins nächste Jahr vorgetragen.
3. Optionsverlust trifft Aktiengewinn. Aktiengewinne 3.000,00 €, Verluste aus Termingeschäften 2.000,00 €. Der Aktiengewinn fließt in den allgemeinen Topf, dort wird der Optionsverlust abgezogen. Steuerpflichtig sind 1.000,00 €.
4. Gemischtes Jahr eines Optionshändlers.
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Aktiengewinne | 1.500,00 € |
| Aktienverluste | −2.500,00 € |
| Stillhalterprämien und Gewinne aus Optionen | 6.000,00 € |
| Verluste aus gekauften Optionen | −4.000,00 € |
| Dividenden | 400,00 € |
- Aktientopf: 1.500,00 − 2.500,00 = −1.000,00 € → nichts steuerpflichtig, 1.000,00 € Vortrag im Aktientopf.
- Allgemeiner Topf: 6.000,00 − 4.000,00 + 400,00 = 2.400,00 € steuerpflichtig (vor Sparer-Pauschbetrag).
Die Reihenfolge, in der die Geschäfte im Jahr stattfanden, spielt dabei keine Rolle. Verrechnet wird mit den Jahressummen.
Was hat sich bei Termingeschäften 2024 geändert?
Von 2021 an galt für Termingeschäfte – gekaufte Optionen, Futures, CFDs – ein eigener Verlusttopf: Verluste daraus durften nur mit Gewinnen aus Termingeschäften und Stillhalterprämien verrechnet werden, und das nur bis 20.000 € pro Jahr (§ 20 Abs. 6 S. 5 EStG a.F.). Für Verluste aus dem Ausfall von Kapitalforderungen galt eine solche Grenze schon ab 2020.
Das Jahressteuergesetz 2024 hat beide Beschränkungen ersatzlos gestrichen – und zwar in allen noch offenen Fällen (§ 52 Abs. 28 S. 25 und 26 EStG). Der Gesetzgeber reagierte damit auf verfassungsrechtliche Zweifel des Bundesfinanzhofs. Für dich bedeutet das:
- Verluste aus Termingeschäften gehören in den allgemeinen Topf und verrechnen sich unbegrenzt mit allen Kapitalerträgen, auch mit Aktiengewinnen und Dividenden.
- Das gilt auch für 2021, 2022 und 2023, solange der Steuerbescheid dieser Jahre noch geändert werden kann. Ein bestandskräftiger Bescheid wird dadurch nicht automatisch wieder aufgerollt.
capi.tax rechnet für jedes unterstützte Steuerjahr ohne die 20.000-€-Grenze. Ein Beispiel: 5.000,00 € Gewinn und 50.000,00 € Verlust aus Termingeschäften ergeben ohne weitere Kapitalerträge 0,00 € steuerpflichtig und 45.000,00 € Verlustvortrag im allgemeinen Topf – ohne Kappung.
Eine Besonderheit bleibt beim Ausfüllen: Die Vordrucke für 2021 bis 2024 haben noch eigene Zeilen für Gewinne und Verluste aus Termingeschäften (Zeilen 21 und 24). capi.tax füllt sie für diese Jahre getrennt aus. Das ist nur eine Datenerfassung; die Verrechnung selbst erfolgt ohne Grenze. Ab dem Vordruck 2025 sind die Zeilen 21, 24 und 25 entfallen (die Zeilen 14 und 15 bleiben).
Verlustvortrag: Was passiert mit übrigen Verlusten?
Bleibt in einem Topf am Jahresende ein Verlust übrig, verfällt er nicht und wird auch nicht ausgezahlt. Er wird ins nächste Jahr vorgetragen und dort mit Gewinnen desselben Topfes verrechnet (§ 20 Abs. 6 S. 2 und 3 EStG). Ein Aktienverlust bleibt also auch im Folgejahr ein Aktienverlust. Einen Rücktrag in Vorjahre gibt es bei Kapitalerträgen nicht, und der Vortrag ist zeitlich nicht begrenzt.
Bei einem ausländischen Broker läuft der Vortrag über das Finanzamt: Es stellt die verbleibenden Verluste je Topf in einem eigenen Bescheid gesondert fest (§ 20 Abs. 6 S. 3 EStG i. V. m. § 10d Abs. 4 EStG) und rechnet sie im nächsten Jahr automatisch an. Voraussetzung ist, dass du die Verluste in der Anlage KAP erklärt hast. Ein Verlust, der in keiner Erklärung auftaucht, kann auch nicht vorgetragen werden.
Was capi.tax dabei tut – und was nicht:
- capi.tax zeigt dir in den Ergebnissen unter
Verlustverrechnungstöpfe, welcher Verlust aus dem hochgeladenen Jahr in jedem Topf übrig bleibt. - Einen Verlustvortrag aus dem Vorjahr kannst du in capi.tax nicht eingeben. Das Finanzamt kennt ihn aus seinem Feststellungsbescheid und rechnet ihn selbst an. Die Referenzsteuer in capi.tax kann deshalb höher ausfallen als die tatsächliche Steuer.
Wo trage ich Gewinne und Verluste in der Anlage KAP ein?
Bei einem ausländischen Broker trägst du alles im Block für Kapitalerträge ohne inländischen Steuerabzug ein – Gewinne und Verluste getrennt, nicht vorab saldiert. capi.tax gibt die Zeilen für dein Steuerjahr aus. Für die Veranlagung 2025:
- Zeile 19: ausländische Kapitalerträge insgesamt, einschließlich der Ergebnisse aus Aktien und Termingeschäften,
- Zeile 20: darin enthaltene Gewinne aus Aktienveräußerungen,
- Zeile 22: Verluste ohne Aktienverluste, bei Optionshändlern vor allem Verluste aus Termingeschäften, außerdem Verluste aus Anleihen,
- Zeile 23: Verluste aus Aktienveräußerungen.
Für 2021 bis 2024 kommen hinzu: Zeile 21 für Stillhalterprämien und Gewinne aus Termingeschäften, Zeile 24 für Verluste aus Termingeschäften. Verluste aus geschriebenen Optionen stehen in diesen Jahren in Zeile 22, weil Stillhaltergeschäfte keine Termingeschäfte im Sinne der alten Regel waren – ausgenommen ein vom Stillhalter gezahlter Barausgleich (etwa bei einer ausgeübten Indexoption), der als Verlust aus einem Termingeschäft gilt und in Zeile 24 gehört (BFH VIII R 55/13). capi.tax erkennt einen solchen Barausgleich und bucht ihn für 2021 bis 2024 getrennt von der Prämie in Zeile 24; ab 2025 steht er in Zeile 19 und 22. Verluste aus Fonds gehören in die Anlage KAP-INV.
Wenn du daneben ein Depot bei einer deutschen Bank hast: Deren Verlusttopf wird intern geführt. Willst du einen dort übrigen Verlust mit Gewinnen von deinem Auslandsdepot verrechnen, brauchst du eine Verlustbescheinigung der deutschen Bank, die du bis zum 15. Dezember beantragen musst (§ 43a Abs. 3 S. 4 und 5 EStG). Der Antrag ist unwiderruflich: Der Verlust wird dann nicht mehr im Bankdepot vorgetragen. Mehr zu den Formularen steht unter Anlage KAP, KAP-INV & SO.
Weiterführende Fragen
- Gilt die 20.000-€-Grenze bei Termingeschäften noch?
- Kann ich Aktienverluste mit Dividenden verrechnen?
- Sind ETF-Verluste Aktienverluste?
- Gilt die US-amerikanische Wash-Sale-Regel für mich?
- Wie hängen Verlustverrechnung und Sparer-Pauschbetrag zusammen?
Siehe auch: Wohin die Topf-Zahlen in den Formularen gehören: Anlage KAP, KAP-INV & SO. Wo du sie im Tool siehst: Ergebnisse verstehen.