Vorabpauschale
Ein thesaurierender ETF schüttet nichts aus – trotzdem verlangt das deutsche Steuerrecht, dass du jedes Jahr einen kleinen, pauschal berechneten Ertrag versteuerst: die Vorabpauschale. Sie stellt sicher, dass auch bei Fonds, die ihre Gewinne einbehalten, laufend etwas besteuert wird (§ 18 InvStG).
Wie sie sich berechnet
Drei Schritte, in dieser Reihenfolge:
- Basisertrag = Rücknahmepreis am Jahresanfang × Basiszins × 70 % (§ 18 Abs. 1 InvStG). Als Preis am Jahresanfang gilt in der Praxis der letzte Rücknahmepreis des Vorjahres. Den Basiszins veröffentlicht das BMF jedes Jahr – für 2024 sind es 2,29 %, für 2025 2,53 %. Maßgeblich ist der Basiszins des Jahres, für das die Vorabpauschale berechnet wird.
- Deckelung: Der Basisertrag wird auf die tatsächliche Wertsteigerung des Jahres begrenzt (Kursgewinn plus Ausschüttungen). Ist der Fonds im Wert gefallen, ist die Vorabpauschale 0.
- Abzug der Ausschüttungen: Was der Fonds im Jahr schon ausgezahlt hat, wird abgezogen. Negativ werden kann die Vorabpauschale nie.
Anschaffungsjahr und Zufluss
Im Kaufjahr wird die Vorabpauschale zeitanteilig gekürzt – um 1/12 für jeden vollen Monat vor deinem Kaufmonat (§ 18 Abs. 2 InvStG). Kaufst du im März, fallen Januar und Februar weg.
Entscheidend ist der Zuflusszeitpunkt: Die Vorabpauschale eines Jahres gilt erst am ersten Werktag des Folgejahres als zugeflossen (§ 18 Abs. 3 InvStG). Die Vorabpauschale für 2024 gehört damit in die Steuererklärung 2025, nicht 2024 – ein häufiger Fehler.
Teilfreistellung
Von der Vorabpauschale bleibt – wie bei allen Fondserträgen – ein Teil von vornherein steuerfrei (§ 20 InvStG): Aktienfonds 30 %, Mischfonds 15 %, Immobilienfonds 60 %, Auslands-Immobilienfonds 80 %. Welcher Satz gilt, hängt von der Fondsart laut Anlagebedingungen ab. Du hinterlegst sie in capi.tax, weil die Broker-Daten die Fondsart nicht verraten.
Der Haken bei US-Brokern
Interactive Brokers, Tastytrade und DEGIRO behalten keine deutsche Steuer ein und liefern die zur Berechnung nötigen Rücknahmepreise zu Jahresanfang und -ende meist nicht mit. Diese Werte bekommst du etwa von der Fondsgesellschaft. Und Vorsicht: Auch viele US-domizilierte ETFs sind Investmentfonds im Sinne des InvStG – „US-ETF" heißt also nicht „keine Vorabpauschale". Erklärt wird das Ganze in der Anlage KAP-INV.
So erfasst du sie in capi.tax
Weil die Vorabpauschale ins Folgejahr gehört, stammen ihre Zahlen aus dem Vorjahr – für die Steuererklärung 2025 also aus 2024. Dein Broker-Export für 2025 enthält sie nicht. Du trägst sie deshalb selbst ein, capi.tax rechnet:
- Öffne in den Ergebnissen den Reiter Anpassungen und scrolle zur Karte Vorabpauschale erfassen. (In der Demo ist das nicht möglich – dafür brauchst du deine eigene Datei.)
- Gib je Fonds an: das Symbol wie in deinen Broker-Daten, das Kalenderjahr (vorbelegt mit dem Vorjahr), die Fondsart, die Fondswährung, die Rücknahmepreise je Anteil zu Jahresbeginn und Jahresende, die Ausschüttungen je Anteil im Jahr und die Anteile dieses Kaufs am 31.12. Bei den Ausschüttungen zählt die Summe aller Ausschüttungen des Fonds im Jahr, brutto vor Quellensteuer – auch solche vor deinem Kauf; bei thesaurierenden Fonds trägst du 0 ein. Die Fondsart ist vorbelegt, wenn du sie in der Symbolzuordnung schon festgelegt hast.
- Hast du die Anteile erst im eingetragenen Kalenderjahr gekauft (für die Erklärung 2025 also in 2024), wähle bei Gekauft das Jahr (z. B. In 2024) und den Kaufmonat. Anteile aus verschiedenen Kaufmonaten erfasst du als eigene Einträge – jeweils nur mit den Anteilen dieses Kaufs, die du am 31.12. noch hattest. Beispiel: 100 Anteile aus 2023 und 20 im März 2024 gekauft → zwei Einträge: 100 Anteile „Vor 2024“ und 20 Anteile „In 2024“, März. Hast du im Jahr verkauft, gelten nach FIFO zuerst die ältesten Anteile als verkauft.
- capi.tax zeigt dir die Rechnung – Basiszins, Zeitanteil, Betrag je Anteil, gegebenenfalls den Umrechnungskurs – und mit Übernehmen & neu berechnen fließt die Vorabpauschale in dein Ergebnis ein.
Danach findest du sie im Reiter Übersicht im Abschnitt Vorabpauschale; der steuerpflichtige Teil (nach Teilfreistellung) fließt in die Gesamtsummen ein. Den Bruttobetrag für die Anlage KAP-INV findest du im Ergebnis des Folgejahres (Vorabpauschale 2024 → Ergebnis 2025) im Reiter Formulare, unterhalb der Anlage-KAP-Tabelle im Abschnitt Anlage KAP-INV: je nach Fondsart in Zeile 9 (Aktienfonds), 10 (Mischfonds), 11 (Immobilienfonds), 12 (Auslands-Immobilienfonds) oder 13 (sonstige Investmentfonds) – so in den Vordrucken 2024 und 2025; in späteren Vordrucken können sich die Zeilennummern ändern. Maßgeblich ist die Fondsart, die du beim Erfassen gewählt hast.
Gut zu wissen:
- Fremdwährung: Notiert der Fonds etwa in US-Dollar, rechnet capi.tax in Dollar und rechnet das Ergebnis zum Bundesbank-Referenzkurs des Zuflusstags (erster Werktag des Folgejahres) in Euro um. Ganz einheitlich wird diese Umrechnung in der Fachliteratur nicht gesehen.
- Börsenkurse statt Rücknahmepreis sind nur eine Näherung. In einem Jahr fast ohne Wertänderung kann das Ergebnis dadurch spürbar abweichen.
- Frühere Jahre: Eine Vorabpauschale für ein älteres Jahr wird in diesem Steuerjahr nicht versteuert und erscheint nicht im Abschnitt Vorabpauschale. Verkaufst du den Fonds in diesem Jahr, solltest du sie trotzdem erfassen: capi.tax rechnet sie dann auf den Veräußerungsgewinn an (§ 19 Abs. 1 Satz 4 InvStG), sonst wird sie doppelt besteuert.
- US-ETFs und Fondsart: US-Fondsunterlagen nennen oft keine Aktienquote im Sinne des InvStG. Die Fondsart richtet sich nach den Anlagebedingungen (siehe Teilfreistellung); fehlt dort eine Aktienquote, klärst du die Einordnung am besten mit einer Steuerberaterin oder einem Steuerberater. Sie entscheidet auch über die KAP-INV-Zeile.
Ausschüttungen und Veräußerungsgewinne deiner Fonds rechnet capi.tax ohnehin mit.
Siehe auch: Wohin die Fondszahlen in den Formularen gehören: Anlage KAP, KAP-INV & SO.