Methodik & Quellen
Wer eine Zahl ans Finanzamt meldet, sollte wissen, woher sie kommt. Diese Seite legt offen, auf welchen Rechtsgrundlagen capi.tax rechnet, welche amtlichen Daten einfließen und wie die Berechnungen geprüft werden.
Rechtsgrundlagen
Die Berechnungen bilden die einschlägigen Vorschriften nach – nicht eine eigene Auslegung davon:
- § 20 EStG – Einkünfte aus Kapitalvermögen: Dividenden, Zinsen, Veräußerungsgewinne, Stillhalterprämien (Abs. 1 Nr. 11), Termingeschäfte (Abs. 2 S. 1 Nr. 3), Anschaffungskosten und FIFO (Abs. 4), Verlustverrechnung (Abs. 6), Sparer-Pauschbetrag (Abs. 9)
- § 23 EStG – private Veräußerungsgeschäfte: Fremdwährungsguthaben ohne Verzinsung und Gold-Wertpapiere mit Lieferanspruch, Jahresfrist nach Kalendertag und FIFO (Abs. 1 S. 1 Nr. 2), Freigrenze (Abs. 3 S. 5), Verlustverrechnung innerhalb des Jahres (Abs. 3 S. 7)
- § 32d EStG – gesonderter Steuertarif (Abs. 1), Pflicht zur Angabe nicht abgeltend besteuerter Erträge (Abs. 3), Anrechnung ausländischer Steuern (Abs. 5), Günstigerprüfung (Abs. 6)
- §§ 16, 18, 19, 20, 21 InvStG – Investmenterträge, Vorabpauschale, Veräußerungsgewinne aus Investmentanteilen (einschließlich der Anrechnung versteuerter Vorabpauschalen nach § 19 Abs. 1 S. 3), Teilfreistellung und ihre Wirkung auf Werbungskosten und Verluste (§ 21)
- Ergänzend die einschlägigen BMF-Schreiben zur Abgeltungsteuer sowie die jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen für die anrechenbare Quellensteuer
Amtliche Daten
Zwei Größen kommen nicht aus deinem Broker-Export, sondern aus amtlichen Veröffentlichungen:
- Wechselkurse: der EZB-Referenzkurs, wie ihn die Bundesbank veröffentlicht, jeweils zum Tag der einzelnen Transaktion. Gibt es für diesen Tag keinen Kurs (Wochenende, Feiertag), gilt der letzte davor veröffentlichte. Keine Broker-Kurse, keine Jahresdurchschnitte. Die Kurstabelle ist Teil der Anwendung.
- Basiszins für die Vorabpauschale: die jährliche Bekanntmachung des BMF nach § 18 Abs. 4 InvStG. Für ein Jahr ohne veröffentlichten Wert bricht die Berechnung ab, statt still mit 0 zu rechnen.
Regeln gelten je Steuerjahr
Steuerrecht ändert sich. capi.tax hält deshalb je Zeitraum ein eigenes Regelwerk vor – Teilfreistellungssätze, Basiszins und die Zeilennummern der Anlage KAP richten sich nach dem gewählten Steuerjahr. Die Anlage KAP 2024 hat zum Beispiel noch eigene Zeilen für Termingeschäfte, die 2025 entfallen sind.
Eine Ausnahme gilt, wo der Gesetzgeber selbst rückwirkend geändert hat: Der gesonderte Verlustverrechnungskreis für Termingeschäfte mit seiner 20.000-€-Grenze (§ 20 Abs. 6 S. 5 EStG a. F.) wurde mit dem Jahressteuergesetz 2024 für alle offenen Fälle gestrichen (§ 52 Abs. 28 S. 25 EStG). capi.tax wendet die Grenze deshalb für kein Steuerjahr an, auch nicht für 2021 bis 2024.
Wie geprüft wird
Drei Ebenen, die unabhängig voneinander laufen:
- Fachliche Spezifikation. Die steuerlichen Regeln sind als lesbare Szenarien in deutscher Sprache formuliert – mit Rechtsgrundlage, Sachverhalt und erwartetem Ergebnis in Euro. Diese Szenarien werden bei jeder Änderung ausgeführt; sie sind so geschrieben, dass eine Steuerberaterin oder ein Steuerberater sie ohne Programmierkenntnisse nachvollziehen kann.
- Regressionsvergleich. Ein eingefrorener Bestand echter Beispielrechnungen stellt sicher, dass eine Änderung an einer Stelle keine andere Zahl unbemerkt verschiebt.
- Exakte Arithmetik. Alle Beträge werden als Dezimalzahlen gerechnet, nicht als Gleitkommazahlen. Gerundet wird ausschließlich für die Anzeige – so entstehen keine Cent-Abweichungen durch die Rechenweise selbst.
Wo bewusst nicht gerechnet wird
Genauso wichtig wie das, was berechnet wird: Fehlt einem Verkauf der Kauf, wird keine Anschaffung geschätzt – das Geschäft bleibt aus den Summen heraus, bis du die Eröffnung ergänzt. Zeilen, die capi.tax nicht rechnen kann (etwa Krypto), werden mit Hinweis übersprungen. Fehlt die Fondsart, bucht capi.tax einen Fonds derzeit als Aktie, obwohl er rechtlich ein sonstiger Investmentfonds (0 %) in der Anlage KAP-INV wäre – falsche Anlage, falscher Verlusttopf. Bei Interactive Brokers gibt es dazu meist einen Hinweis, beim Tastytrade-Export nicht. Bekannte große US-ETFs sind über eine Symbolliste vorbelegt. Mehr dazu unter Deine Angaben.
Grenzen
capi.tax ist ein Aufbereitungswerkzeug, keine Steuerberatung. Es kennt deine persönliche Lage nicht – Sparer-Pauschbetrag, Kirchensteuer, Günstigerprüfung, Verlustvorträge oder andere Einkünfte fließen nicht ein. Währungsgewinne berechnet capi.tax für Interactive Brokers: Das Ergebnis aus verzinstem Guthaben (§ 20) ist in den Anlage-KAP-Zeilen enthalten, das aus unverzinstem Guthaben (§ 23) steht zusammen mit Gold-Wertpapieren wie Xetra-Gold im Abschnitt „Anlage SO – private Veräußerungsgeschäfte (§ 23 EStG)“, für 2024 und 2025 mit der Zeile der Anlage SO, aber nicht in den Summen der Anlage KAP; für Tastytrade und DEGIRO werden Währungsgewinne nicht berechnet (siehe Währungsgewinne). Nicht berechnet werden außerdem Kapitalmaßnahmen außer Aktiensplits (u. a. § 20 Abs. 4a EStG; Spin-offs und Fusionen erfasst du selbst im Reiter Anpassungen) und Altbestände vor 2009 – steuerfreie Aktien (§ 52 Abs. 28 S. 11 EStG) und Fondsanteile mit dem 100.000-€-Freibetrag (§ 56 Abs. 6 S. 1 Nr. 2 InvStG); die Liste steht unter Was unterstützt wird. Ausgegeben wird die Bemessungsgrundlage, nicht deine fertige Steuer. Seltene Sonderfälle sind nicht abgedeckt; wo das Ergebnis unsicher ist, sagt das Tool es lieber, als eine Zahl zu erfinden.