Investmentfonds & Teilfreistellung
Die Teilfreistellung bedeutet: Ein fester Prozentsatz deiner Erträge aus Fonds und ETFs bleibt steuerfrei (§ 20 InvStG). Bei Aktienfonds sind es 30 %, bei Mischfonds 15 %, bei Immobilienfonds 60 % oder 80 %, bei Renten- und Geldmarktfonds 0 %. Welcher Satz gilt, hängt allein von der Fondsart ab – und die musst du bei einem ausländischen Broker oft selbst festlegen.
Was bedeutet Teilfreistellung?
Seit der Investmentsteuerreform 2018 zahlen Investmentfonds auf bestimmte deutsche Erträge – etwa deutsche Dividenden oder Mieten aus deutschen Immobilien – selbst Körperschaftsteuer, und zwar inländische wie ausländische Fonds (§§ 6, 7 InvStG). Hinzu kommen Steuern, die im Ausland auf die Erträge des Fonds anfallen. Damit diese Vorbelastung beim Anleger nicht noch einmal voll besteuert wird, stellt das Gesetz pauschal einen Teil der Fondserträge frei. Der Satz ist umso höher, je stärker der Fonds typischerweise vorbelastet ist.
Die Teilfreistellung gilt einheitlich für alle drei Ertragsarten eines Fonds:
- Ausschüttungen (§ 16 Abs. 1 Nr. 1 InvStG),
- Vorabpauschale bei thesaurierenden und gering ausschüttenden Fonds (§ 18 InvStG),
- Gewinne aus dem Verkauf von Fondsanteilen (§ 19 InvStG).
Die Sätze im Überblick
| Fondsart | Voraussetzung laut Anlagebedingungen | Teilfreistellung |
|---|---|---|
| Aktienfonds | mehr als 50 % Kapitalbeteiligungen (§ 2 Abs. 6 InvStG) | 30 % |
| Mischfonds | mindestens 25 % Kapitalbeteiligungen (§ 2 Abs. 7 InvStG) | 15 % |
| Immobilienfonds | mehr als 50 % in Immobilien und Immobiliengesellschaften (§ 2 Abs. 9 InvStG) | 60 % |
| Auslands-Immobilienfonds | mehr als 50 % in ausländischen Immobilien (§ 2 Abs. 9 S. 2, § 20 Abs. 3 S. 2 InvStG) | 80 % |
| sonstige Fonds | keine der Quoten erreicht | 0 % |
Kapitalbeteiligungen sind im Wesentlichen börsennotierte Aktien und Anteile an anderen Aktienfonds (§ 2 Abs. 8 InvStG). Ein MSCI-World- oder S&P-500-ETF, der laut Anlagebedingungen ständig mehr als 50 % in Aktien investiert, ist ein Aktienfonds.
Teilfreistellung bei Mischfonds, Immobilienfonds und Rentenfonds
Mischfonds: Ein Multi-Asset- oder Portfolio-ETF, der laut Anlagebedingungen mindestens 25 % in Aktien hält, ist ein Mischfonds mit 15 % Teilfreistellung. Liegt die Quote über 50 %, ist er ein Aktienfonds. Liegt die Aktienquote darunter oder ist sie nicht festgelegt, gibt es grundsätzlich 0 % (Ausnahme: Nachweis der tatsächlichen Quote nach § 20 Abs. 4 InvStG, siehe unten).
Immobilienfonds: Offene Immobilienfonds und Immobilien-ETFs bekommen 60 %, bei überwiegend ausländischen Immobilien 80 %. Die hohen Sätze gleichen aus, dass Mieterträge im Ausland oft bereits besteuert werden.
Nicht verwechseln: Ein einzelner US-REIT wie Realty Income ist eine Aktiengesellschaft, kein Fonds. capi.tax behandelt bekannte REITs wie Aktien – ohne Teilfreistellung.
Rentenfonds (Anleihe-ETFs) und Geldmarktfonds erreichen keine der Quoten. Sie sind zwar Investmentfonds im Sinne des InvStG, ihre Teilfreistellung beträgt aber 0 %. Das heißt nicht, dass sie wie Aktien behandelt werden: Ihre Erträge gehören trotzdem in die Anlage KAP-INV, in eigene Zeilen.
Rohstoffprodukte sind ein Sonderfall – ihre Einordnung ist ungeklärt, bitte prüfe sie. Ein US-Gold-ETF wie GLD ist rechtlich ein Trust, der physisches Gold hält. Privatanleger haben bei ihm keinen Lieferanspruch; überwiegend wird er als Investmentfonds gelesen, gerichtlich entschieden ist das nicht. Anders Gold-Wertpapiere mit Lieferanspruch wie Xetra-Gold: Sie sind private Veräußerungsgeschäfte, siehe Xetra-Gold & Gold-ETCs. US-Rohstoff-ETFs wie USO oder UNG sind als Personengesellschaften aufgelegt und nach § 1 Abs. 3 S. 1 Nr. 2 InvStG keine Investmentfonds. Gold-ETCs ohne Lieferanspruch für Privatanleger (etwa iShares Physical Gold) und ETNs sind Schuldverschreibungen, also Kapitalforderungen (§ 20 Abs. 2 S. 1 Nr. 7 EStG).
Rechenbeispiele
Alle Werte sind Beispiele in Euro.
Verkauf eines Aktien-ETFs mit Gewinn: Du verkaufst Anteile eines MSCI-World-ETFs mit 2.000,00 € Gewinn. Steuerfrei bleiben 30 % = 600,00 €, steuerpflichtig sind 1.400,00 €. Bei 25 % Abgeltungsteuer plus Soli sind das 350,00 € + 19,25 € = 369,25 €.
Ausschüttung eines Mischfonds: 400,00 € Ausschüttung, 15 % frei = 60,00 €, steuerpflichtig 340,00 €.
Immobilienfonds: 1.000,00 € Gewinn, 60 % frei = 600,00 €, steuerpflichtig 400,00 €. Bei überwiegend ausländischen Immobilien (80 %) wären es nur 200,00 €.
Anleihe-ETF: 500,00 € Ausschüttung, 0 % frei, steuerpflichtig 500,00 €.
Die Teilfreistellung mindert auch Verluste
Was oft übersehen wird: Die Teilfreistellung wirkt in beide Richtungen. Verkaufst du Anteile eines Aktienfonds mit 1.000,00 € Verlust, sind nur 700,00 € steuerlich verrechenbar – die übrigen 30 % bleiben außen vor. So sieht es auch die Finanzverwaltung im BMF-Anwendungsschreiben zum InvStG vom 21.05.2019 (zu § 20 InvStG). capi.tax wendet die Teilfreistellung deshalb unabhängig vom Vorzeichen an. Der verbleibende Fondsverlust landet im allgemeinen Verlustverrechnungstopf, nicht im Aktientopf (siehe Verlustverrechnung).
Sind US-ETFs auch Investmentfonds?
Ja. Das deutsche Investmentsteuergesetz knüpft nicht an den Sitz des Fonds an. Ein in den USA aufgelegter ETF wie SPY, QQQ oder VTI ist steuerlich ebenso ein Investmentfonds wie ein irischer oder luxemburgischer UCITS-ETF. Seine Ausschüttungen sind keine Dividenden im Sinne der Anlage KAP, sondern Investmenterträge für die Anlage KAP-INV.
Der Haken liegt bei der Fondsart. Die Quoten für Aktien- und Mischfonds müssen grundsätzlich in den Anlagebedingungen festgelegt sein. Europäische UCITS-ETFs für den deutschen Markt nennen ihre Aktienquote meist ausdrücklich, US-ETFs oft nicht. Fehlt eine solche Festlegung, gibt es die Teilfreistellung nur auf Antrag: Du musst nachweisen, dass der Fonds die Quote während des Kalenderjahres tatsächlich durchgehend überschritten hat (§ 20 Abs. 4 InvStG). Ob dir das für einen bestimmten US-ETF gelingt, ist eine Frage für deinen Einzelfall.
ADRs (American Depositary Receipts) sind dagegen keine Fonds, sondern Zertifikate, die Aktien eines ausländischen Unternehmens vertreten. Sie werden steuerlich wie Aktien behandelt.
Wie ordnet capi.tax deine Fonds ein?
Weder Interactive Brokers noch Tastytrade liefern die deutsche Fondsart mit. IBKR führt ETFs sogar in derselben Kategorie wie Aktien, Tastytrade nennt beides „Equity". capi.tax geht deshalb in drei Stufen vor:
Bekannte US-ETFs: Eine feste Liste großer US-ETFs ist hinterlegt. Breite Aktien-ETFs wie SPY, QQQ, IWM, VOO, VTI, VT, IVV oder die Sektor-ETFs (XLF, XLK …) werden als Aktienfonds mit 30 % eingeordnet, Anleihe-ETFs wie TLT, AGG, BND oder SHV als sonstige Fonds mit 0 %. Die Einordnung ist eine Voreinstellung, keine Feststellung: Bei US-Fonds fehlt der Nachweis der Aktienquote (§ 2 Abs. 6 InvStG) in den Fondsunterlagen oft. Deshalb nennt capi.tax die Symbole mit voreingestellter Teilfreistellung in einem Hinweis, und du kannst sie im Tab
Anpassungenbestätigen oder ändern. Immobilien-ETFs (VNQ, XLRE, IYR, SCHH, VNQI) stehen bewusst nicht als Aktienfonds auf der Liste: Ob sie Aktien-, Immobilien- oder sonstige Fonds sind, hängt von der Quote in den Anlagebedingungen ab. Ohne deine Zuordnung rechnet capi.tax sie wie Aktien, ohne Teilfreistellung, und weist darauf hin.Kannst du die Aktienquote eines US-ETFs nicht nachweisen, ordne ihn als „sonstiger Investmentfonds“ (0 %) zu. Seine Ausschüttungen stehen dann in Zeile 8 und der Veräußerungssaldo in Zeile 26 der Anlage KAP-INV (Tabelle unten).
Rohstoffprodukte (GLD, SLV, IAU, PPLT, USO, UNG, ETCs wie iShares Physical Gold, ETNs) sind rechtlich nicht geklärt: Je nach Ausgestaltung sind sie Investmentfonds, ein Anspruch auf Metall (privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 EStG, bei Lieferanspruch) oder eine Kapitalforderung (§ 20 EStG); Rohstoff-Pools (USO, UNG) liegen eventuell außerhalb des Investmentsteuergesetzes. capi.tax rechnet Trusts und Rohstoff-Pools vorläufig wie sonstige Fonds mit 0 % Teilfreistellung, ETCs und ETNs als sonstige Kapitalforderung (beides im allgemeinen Verlustverrechnungstopf); Papiere, deren Name auf einen Lieferanspruch deutet (etwa Gold Bullion Securities oder Krypto-ETPs), wie Aktien. capi.tax weist jedes gehandelte Symbol in einem Hinweis aus, bis du es zugeordnet hast. Xetra-Gold und EUWAX Gold II erkennt capi.tax an der ISIN als private Veräußerungsgeschäfte (mehr dazu). Welche Einordnung für dein Produkt gilt, klärst du mit den Produktunterlagen oder deinem Steuerberater.
Fonds-Erkennung bei Interactive Brokers: Der IBKR-Export (CSV wie Flex Query) enthält ISIN und Instrumentenname. Beginnt die ISIN mit IE oder LU, enthält der Name Begriffe wie „ETF" oder „UCITS", beginnt er mit einem Fondsanbieter wie iShares, Xtrackers, SPDR, Amundi oder Vanguard oder steht bei einer ISIN aus DE, FR, NL, AT, CH, SE oder FI ein Indexbegriff wie MSCI oder STOXX im Namen, erkennt capi.tax einen Fonds – kann aber nicht wissen, welche Fondsart. Operative Unternehmen mit ähnlichem Namen (etwa „Invesco Ltd" oder „Franklin Resources") gelten nicht als Fonds. ETNs und ETCs sind Schuldverschreibungen, keine Fonds; sie landen im Hinweis zu Rohstoffprodukten (siehe Punkt 1). Erkannte Fonds werden zunächst wie Aktien gerechnet, ohne Teilfreistellung, und du bekommst einen sichtbaren Hinweis, dass die Fondsart fehlt.
Deine Festlegung: Im Tab
AnpassungenunterSymbolzuordnungordnest du jedes Wertpapier selbst zu: Aktie, Aktienfonds (30 %), Mischfonds (15 %), Immobilienfonds (60 %), Auslands-Immobilienfonds (80 %) oder sonstiger Investmentfonds (0 %), sonstige Kapitalforderung (etwa ein ETC oder ETN ohne Lieferanspruch) – oder, für ein Wertpapier mit Lieferanspruch auf Gold, privates Veräußerungsgeschäft (§ 23 EStG). Deine Zuordnung geht jeder Voreinstellung vor und wird mit Begründung im Prüfpfad gespeichert.
Bei Tastytrade fehlen ISIN und Instrumentenname im Export. Dort greift nur die feste Liste aus Stufe 1. Damit ein ETF außerhalb der Liste nicht unbemerkt wie eine Aktie gerechnet wird, nennt capi.tax in einem Hinweis die gehandelten Symbole, deren Fondsart nicht erkennbar ist (bis zu zehn). Wenn du bei Tastytrade Fonds hältst, ordne sie im Tab Anpassungen selbst zu; jede Zuordnung, auch „Aktie", gilt als bestätigt und nimmt das Symbol aus dem Hinweis.
Wo du die Fondsart findest: in den Anlagebedingungen oder im Factsheet des Fonds, oft unter „Teilfreistellung" oder „Aktienfonds gemäß § 2 Abs. 6 InvStG". Bei UCITS-ETFs für den deutschen Markt steht die Angabe meist direkt auf der Produktseite des Anbieters.
Wo trage ich Fondserträge ein? Die Anlage KAP-INV
Fondserträge ohne deutschen Steuerabzug gehören nicht in die Anlage KAP, sondern in die Anlage KAP-INV. Dort trägst du die Bruttowerte vor Teilfreistellung ein, getrennt nach Fondsart. Das Finanzamt erkennt die Fondsart an der Zeile und zieht die Teilfreistellung selbst ab. Würdest du schon den reduzierten Betrag eintragen, würde sie doppelt angewendet.
capi.tax ordnet die Werte diesen Zeilen zu:
| Fondsart | Ausschüttungen | Vorabpauschale | Veräußerung |
|---|---|---|---|
| Aktienfonds | 4 | 9 | 14 |
| Mischfonds | 5 | 10 | 17 |
| Immobilienfonds | 6 | 11 | 20 |
| Auslands-Immobilienfonds | 7 | 12 | 23 |
| sonstige Fonds | 8 | 13 | 26 |
Im Beispiel oben trägst du also 2.000,00 € in Zeile 14 ein, nicht 1.400,00 €. Vergleiche die Zeilennummern mit der amtlichen Anleitung deines Steuerjahres.
Nicht abgebildet sind Fondsanteile, die du vor 2018 gekauft hast (Alt-Anteile mit eigenen Zeilen und Sonderregeln, § 56 InvStG). Die Vorabpauschale berechnet capi.tax nur, wenn du die Fondspreise selbst einträgst, siehe Vorabpauschale.
Weiterführende Fragen
- Muss ich die Teilfreistellung selbst abziehen?
- Gilt die Teilfreistellung für Renten-ETFs?
- Gilt die Teilfreistellung zusätzlich zum Sparer-Pauschbetrag?
- Ist ein REIT ein Immobilienfonds?
- Warum muss ich die Fondsart selbst angeben?
Siehe auch: Fondserträge gehören in die Anlage KAP-INV – siehe Anlage KAP, KAP-INV & SO; die jährliche Vorabpauschale erklärt Vorabpauschale.