Steuer-FAQ
Kurze Antworten auf die Fragen, die bei einem US-Broker immer wieder auftauchen. Ausführlicher stehen die Themen in den übrigen Kapiteln unter „Steuern".
Grundlagen
Muss ich meine Auslandsdepot-Erträge überhaupt angeben?
Ja. Eine deutsche Bank behält die Steuer direkt ein, damit ist sie abgegolten. Interactive Brokers und Tastytrade tun das nicht – weil kein deutscher Steuerabzug stattgefunden hat, bist du zur Angabe verpflichtet (§ 32d Abs. 3 EStG). Das ist eine Pflicht, kein Wahlrecht.
Warum ist das mit einem US-Broker so viel aufwendiger?
Weil dir die deutsche Steuerbescheinigung fehlt. Ein deutscher Broker rechnet FIFO, Währungsumrechnung, Quellensteuer und Verlustverrechnung für dich und meldet fertige Zahlen. Beim US-Broker bekommst du Rohdaten – die Einordnung machst du selbst.
Wie hoch ist die Steuer auf Kapitalerträge?
25 % Abgeltungsteuer (§ 32d Abs. 1 EStG), dazu 5,5 % Solidaritätszuschlag auf die Steuer und ggf. Kirchensteuer. Effektiv rund 26,4 % ohne, rund 27,8–28,0 % mit Kirchensteuer. Die Soli-Freigrenze, die bei anderen Einkünften greift, gilt hier nicht.
Was ist, wenn mein persönlicher Steuersatz niedriger ist?
Dann beantrage die Günstigerprüfung (§ 32d Abs. 6 EStG). Das Finanzamt rechnet automatisch mit dem für dich günstigeren Satz; ein Nachteil entsteht durch den Antrag nicht.
Bekomme ich den Sparer-Pauschbetrag auch beim US-Broker?
Ja, aber nicht an der Quelle. 1.000 € (einzeln) bzw. 2.000 € (zusammen veranlagt) stehen dir zu (§ 20 Abs. 9 EStG). Einen Freistellungsauftrag kann ein ausländischer Broker nicht umsetzen – du holst dir den Freibetrag über die Steuererklärung. Er gilt einmal über alle Konten zusammen.
Kann ich meine Depotgebühren absetzen?
Nein. Laufende Kosten sind mit dem Sparer-Pauschbetrag abgegolten (§ 20 Abs. 9 EStG). Transaktionskosten, die direkt zu einem Kauf oder Verkauf gehören, mindern dagegen den Gewinn des Geschäfts.
Aktien & Wertpapiere
Kann ich zwischen FIFO und einer anderen Methode wählen?
Nein. Für depotverwahrte Wertpapiere ist FIFO vorgegeben: Die zuerst gekauften Stücke gelten als zuerst verkauft. Jede Position wird dabei einzeln geführt.
Gilt die US-amerikanische Wash-Sale-Regel für mich?
Nein. Deutschland kennt keine Wash-Sale-Regel. Entsprechende Korrekturen aus US-Steuerunterlagen (etwa vom 1099) dürfen nicht in die deutschen Zahlen übernommen werden – gerechnet wird auf Basis der tatsächlichen Ausführungen nach FIFO.
Was gilt bei einem Aktiensplit?
Ein Split ist steuerneutral. Die gesamten Anschaffungskosten bleiben gleich, nur der Preis je Stück wird umgerechnet – und das ursprüngliche Anschaffungsdatum bleibt erhalten. Wird bei einem Reverse Split ein Bruchteil bar ausgezahlt, ist dieser kleine Teil ein Verkauf.
Fonds & ETFs
Fällt bei einem thesaurierenden ETF Steuer an, obwohl nichts ausgeschüttet wird?
Ja, über die Vorabpauschale (§ 18 InvStG). Sie wird aus dem Rücknahmepreis zu Jahresbeginn, dem Basiszins und 70 % gebildet, ist auf die Wertsteigerung des Jahres gedeckelt und um Ausschüttungen gemindert. Fällt der Fonds im Wert, ist sie 0.
In welches Jahr gehört die Vorabpauschale?
In das Folgejahr. Sie gilt erst am ersten Werktag des nächsten Jahres als zugeflossen (§ 18 Abs. 3 InvStG) – die Vorabpauschale für 2024 gehört also in die Erklärung 2025. Das wird häufig verwechselt.
Haben US-ETFs auch eine Vorabpauschale?
In der Regel ja. Auch viele US-domizilierte ETFs sind Investmentfonds im Sinne des InvStG. „US-ETF" bedeutet also nicht automatisch „keine Vorabpauschale".
Warum muss ich die Fondsart selbst angeben?
Weil die Teilfreistellung davon abhängt – 30 % bei Aktienfonds, 15 % bei Mischfonds, 60 % bzw. 80 % bei Immobilienfonds – und die Broker-Daten diese deutsche Einordnung nicht enthalten. Maßgeblich sind die Anlagebedingungen des Fonds.
Mindert die Teilfreistellung auch Verluste?
Ja, und das wird leicht übersehen. Verkaufst du Anteile eines Aktienfonds mit Verlust, sind nur 70 % davon abziehbar.
Optionen & Termingeschäfte
Wann ist eine Stillhalterprämie zu versteuern?
Im Zeitpunkt des Zuflusses (§ 20 Abs. 1 Nr. 11 EStG) – unabhängig davon, was später mit der Option passiert. Kaufst du die Option später zurück, mindert die gezahlte Prämie deine Einnahme.
Was passiert steuerlich, wenn eine gekaufte Option wertlos verfällt?
Die gezahlte Prämie ist ein abziehbarer Verlust. Das war lange strittig, ist aber durch den Bundesfinanzhof geklärt und von der Finanzverwaltung übernommen.
Wo gehören Optionen in der Steuererklärung hin?
Für Privatanleger in die Anlage KAP – nicht in die Anlage SO. Stillhalterprämien und Gewinne aus Termingeschäften haben dort eigene Zeilen.
Verluste
Welche Verluste kann ich womit verrechnen?
Verluste aus Aktienverkäufen nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen (§ 20 Abs. 6 S. 4 EStG). Alles andere – Zinsen, Dividenden, Fonds, Termingeschäfte – teilt sich einen gemeinsamen Topf. Übrig bleibende Verluste werden ins Folgejahr vorgetragen; einen Rücktrag gibt es nicht.
Gilt die 20.000-€-Grenze bei Termingeschäften noch?
Nein. Der gesonderte Verlustverrechnungskreis für Termingeschäfte und seine 20.000-€-Grenze wurden mit dem Jahressteuergesetz 2024 gestrichen – rückwirkend in allen noch offenen Fällen. Solche Verluste sind wieder unbeschränkt mit deinen übrigen Kapitalerträgen verrechenbar.
Brauche ich eine Verlustbescheinigung?
Nein. Die Verlustbescheinigung ist ein Instrument deutscher Banken, die interne Verlusttöpfe führen. Ein ausländischer Broker führt keine – du erklärst Gewinne und Verluste direkt, und das Finanzamt verrechnet.
Quellensteuer
Wie viel US-Quellensteuer kann ich anrechnen?
Höchstens den Satz, den die USA nach dem Doppelbesteuerungsabkommen behalten dürfen: 15 % auf Dividenden – und höchstens 25 % je Ertrag (§ 32d Abs. 5 EStG). Mit gültigem W-8BEN behalten die USA genau diese 15 % ein und alles ist anrechenbar.
Und wenn 30 % einbehalten wurden?
Ohne W-8BEN behalten die USA 30 % ein. Anrechenbar sind trotzdem nur 15 % – die übrigen 15 % holst du dir nicht über die deutsche Erklärung zurück, sondern nur im Erstattungsverfahren beim US-Fiskus.
Wird nicht genutzte Quellensteuer erstattet oder vorgetragen?
Weder noch. Die Anrechnung erfolgt je einzelnem Ertrag und je Land; ein Überhang verfällt.
Warum ist meine anrechenbare Quellensteuer bei Fonds niedriger?
Weil die Bemessungsgrundlage schon um die Teilfreistellung gemindert ist. Bei einem Aktienfonds (30 %) sind von 15 € einbehaltener Steuer nur 70 %, also 10,50 €, anrechenbar.
Währung
Welche Kurse gelten für die Umrechnung?
Die amtlichen Referenzkurse – und zwar der Kurs des Handelstags des jeweiligen Geschäfts, nicht ein Jahresdurchschnitt und nicht der Kurs am Jahresende. Deshalb können zwei in Dollar gleich große Geschäfte unterschiedliche Euro-Ergebnisse haben.
Sind Währungsgewinne steuerpflichtig?
Fremdwährung, die du als Guthaben hältst, ist ein privates Veräußerungsgeschäft (§ 23 Abs. 1 Nr. 2 EStG): innerhalb eines Jahres steuerpflichtig, nach mehr als einem Jahr steuerfrei. Das ist etwas anderes als der Kursgewinn deiner Aktie – der steckt bereits im Euro-Ergebnis.
Formulare
Wohin gehören meine Zahlen im Formular?
Kapitalerträge in die Anlage KAP, Fonds- und ETF-Erträge in die Anlage KAP-INV, private Veräußerungsgeschäfte wie Währungsgewinne in die Anlage SO. Die genauen Zeilennummern ändern sich jährlich – prüfe sie an der amtlichen Anleitung des jeweiligen Jahres.
capi.tax bereitet deine Daten auf und ist keine Steuerberatung. Bitte prüfe die Zahlen und wende dich für deinen persönlichen Fall an eine Steuerberaterin oder einen Steuerberater.